Du befindest dich hier:

Unser Algert

Von Wilhelm Klinkenberg

Algert wurde das erste Mal am 16. Mai 1395 urkundlich belegt erwähnt als Aldenach.

Erst ab 1593 taucht der Name Algert auf der im Laufe der Zeit dann noch mehrere Schreibweisen erlebt hat, dann aber letztendlich doch in der heutigen Bezeichnung Algert endete. Algert liegt östlich von Lohmar Ort in der Achse Lohmar – Algert – Inger – Birk.

Unser Algert wird geprägt von 2 großen Landwirtschaftlichen Höfen die beide in den letzten Jahren aus Expansionsgründen aus dem Ortskern herausgegangen sind und außerhalb des Ortskerns ihre Betriebe neu errichtet haben. Beide Betriebe haben als Haupterwerb die Milchviehhaltung entsprechender Jungviehhaltung und Aufzucht.

Mit dem weit über den Rhein-Sieg-Kreis hinaus bekannten „Arma Christi“ Kreuz haben wir in Algert einen echten Kulturschatz. Das Kreuz ist in seiner Ausführung und Darstellung einmalig im ganzen Kreis und steht seit Jahren schon unter Denkmalschutz.

Das Kreuz zählt zu den Ältesten seiner Art und stammt aus der Zeit um 1700 herum. Der Künstler der das Kreuz schuf ist leider nicht bekannt.

Algert hat heute ca. 320 Einwohner die überwiegend in Ein – und Zweifamilienhäusern leben. Algert hat zwei parallel verlaufende Straßen und das sind die Algerter Straße und die Straße Am Bungartsberg. Beides sind keine Durchgangs-Straßen und enden am Ortsende in einer Querverbindung.

Das hat den großen Vorteil, dass wir hier im Ort also nur Straßenverkehr haben, der von uns Algertern selbst verursacht wird.

Meine ersten Berührungen zu Algert liegen mehr als 50 Jahre zurück.

Damals, ich war ca. 17 oder 18 Jahre fuhr ich als Handlanger mit zu der Baustelle des Hauses in dem wir heute wohnen. Das Haus, es sollte ursprünglich ein Wochenendhaus eines Kölner Bäckermeisters werden, und wurde dann zu guter Letzt ein Zweifamilienhaus.

In dem Haus wohnen wir nun schon über 40 Jahre und haben die Entwicklung des Ortes Algert in den letzten 25 Jahren live miterlebt.

Als 1975 dann unser Sohn geboren wurde, war er das einzige Kleinkind hier im Ort. Das änderte sich dann aber 3 Jahre später als 1978 dann unsere Tochter und einige Kinder in der Nachbarschaft geboren wurden, da waren die Mädels dann immerhin schon zu dritt im Kindergarten bzw. später dann in der Schule. Heute haben wir so viele Kinder im Dorf, dass man sie nicht mehr alle mit Namen kennt. Für die Kinder ist das ganze Dorf ein riesengroßer Spielplatz, mit Bachlauf und Wald, Bauernhof wo man, wenn man Glück hat, auch mal auf einem Schlepper mitfahren kann.

Das bereits erwähnte „Arma Christi“ Kreuz haben wir noch im unrestaurierten Zustand in Erinnerung. Es stand wohl Jahrzehnte, teilweise eingewachsen in eine uralte Linde, Wind und Wetter ungeschützt ausgesetzt und wäre fast nicht mehr zu retten gewesen. Nur mit größtem Aufwand an Zeit und Material ist es den Restauratoren gelungen das Kreuz in seiner heutigen Form wieder herzurichten. Allerdings haben die Restauratoren bestimmt dass das Kreuz nicht wieder ungeschützt der Witterung ausgesetzt werden darf. Dies nahmen die damaligen Besitzer zum Anlass das Kreuz nicht wieder an alter Stelle aufzustellen sondern in Siegburg in einer Kirche. Der Heimatverein Birk, die Bewohner von Algert sowie die Stadt Lohmar haben nach langjährigen Rechtsstreitigkeiten um das Kreuz letztendlich erreicht das die Stadt Lohmar das Grundstück und das Kreuz vom Vorbesitzer gekauft hat und ein im Dorf wohnender und arbeitender Architekt hat den Wetterschutz für das Kreuz entworfen und von einem befreundeten Zimmermann erstellen lassen. Ebenso das für den Wetterschutz und das Kreuz notwendige neue Fundament.

Die Erdarbeiten dafür wurden von uns in Gemeinschaftsarbeit gemacht und dann nach Einsätzen eines großen Korbes aus Monierstahl mit Beton verfüllt.

Die Rückführung des Kreuzes an seinen alten Ort wurde damals mit einem größeren Fest mit feierlicher Einsegnung durch beide Pfarrer, katholisch und evangelisch, gebührend gefeiert.

Da dieses mit Sicherheit aufwendige Fest so gut funktioniert hatte, kam der Gedanke, dass man in Zukunft doch öfter solche Feste feiern sollte. So entstand die Idee der „Algerter Bauernmärkte“, die dann ab 1989 jährlich stattgefunden haben. Und da die Märkte so gut angekommen sind bei der Bevölkerung weit über Algert hinaus haben wir dann auch ab dem selben Jahr noch den „Nikolausmarkt“ veranstaltet.

Zur Steigerung der Attraktion des Bauernmarktes haben wir uns dann im kleinen Kreis der Organisatoren überlegt was man an Programm anbieten kann um den Markt für die Besucher attraktiev zu machen. So ist dann die Idee geboren worden, einen „Schwiegermutterweitwurf“ zu veranstalten. Nach anfänglichen Zweifeln von einigen Mitgliedern der Dorfgemeinschaft wurde dann im Sommer 1990 als Neue Algerter Sportdisziplin „Schwiegermutter-Weitwurf“ angeboten und plakatiert.

Im Sommer 1991 nahmen dann die Partei Die Grünen Anstoß an unserem Wettbewerb und fanden die Art und Bezeichnung als frauenfeindlich und gingen damit an die Presse. Daraufhin gab es von den Grünen von Lohmar an ihren Parteikollegen aus St. Augustin recht heftige Kritik die darin gipfelte, das die St. Augustiner doch vor ihrer Türe kehren sollten, das hier wäre ja ihr Revier und man sollte das doch nicht so ernst nehmen.

Dieses Ganze Hin und Her ging natürlich über die Tagespresse und am Tage der Veranstaltung hatten wir hier mit Besuchermassen zu kämpfen wo wir beim besten Willen nicht drauf eingestellt waren. Aber wir haben das Fest gestemmt bekommen und mussten im Nachhinein sagen: „Danke Grüne von St. Augustin“, eine bessere Werbung konnten wir nicht machen. Von dieser Popularität hat der Bauernmarkt jahrelang profitiert.

Es gab immer drei Klassen im Weitwurf, eine Klasse für die Kinder, eine für die Frauen und eine offene Klasse für die Männer. Eine weitere Attraktion unserer Bauernmärkte war ja immer die Sau am Spies auf dem großen Grill. Das war ja eine Besonderheit, die nicht jedes Dorffest oder Dorf bieten konnte. Und egal, wie schwer das die Sau war 40 oder 70 kg am Ende war alles verspeist von den Besuchern und Helfern.

Im Rahmen dieser Märkte, hauptsächlich dem Nikolausmarkt ist es uns gelungen die Stadt Lohmar zu bewegen am Ortseingang unser Arma Christi Kreuz zu beleuchten. Seither ist das Kreuz parallel mit der Straßenbeleuchtung am Abend und nachts schön angeleuchtet.

Wenn man abends von Inger kommend ins Dorf fährt ist das ein wunderschöner Anblick und eine optische Aufwertung des Kreuzes.

Dem in den letzten Jahren immer größer werdenden Angebot der Feste und Märkte im Sommer schuldend haben wir in letzten Jahren den Bauernmarkt in der altbekannten Form nicht mehr durchgeführt. Der Nikolausmarkt wird bis zum heutigen Tage noch in altbewährter Form durchgeführt. Der Nikolausmarkt hat da er ja immer auf dem Weilerhof stattfindet und die Besucher mit den Kälbern und andern Tieren auf Tuchfühlung gehen können einen ganz besonderen Reiz der ihn in seiner Form und Art der Durchführung hier einmalig macht.

Er wurde schon mehrfach versucht zu kopieren doch bisher hat keiner dieses Flair hinbekommen.
Die Vorbereitungen, Auf – und Abbau, usw. wird von der Dorfgemeinschaft  durchgeführt wobei jetzt schon die nächste Generation in verantwortlicher Funktion darin tätig ist.

Die Mitglieder der Dorfgemeinschaft sind über die Jahre in vielen Karnevalszügen in Birk mitgegangen, egal ob mit Wagen oder nur als Fußgruppe: Hauptsache Dabei sein und Spaß haben!

Anmerkung (M. Langen):
Was lange Zeit noch fehlte, war ein Dorfplatz in unmittelbarer Nähe des Kreuzes am Ortseingang. Aber nachdem die Stadt Lohmar, die bereits das passende Grundstück hierfür erworben hatte, im Jahr 2019 eine finanzielle Unterstützung zusagte und wir Algerter seit dem 5. Oktober 2019 über einige Monate selbst Hand angelegt hatten, fügten sich auch hier die Dinge zusammen: So konnte am 6. September 2020 unser Algerter Dorfplatz als neuer Lohmarer „Generationentreffpunkt“ offiziell eingeweiht werden.
(mehr unter www.lohmar-algert.de/aktuelles/detail/aktuelles26-algerter-dorfplatz-offiziell-eroeffnet)